Systemische Beratung und Therapie Grundkurs

  • akkreditierte Fortbildung

Systemische Therapie begreift menschliches Handeln im wesentlichen als Handeln innerhalb sozialer Systeme. Wichtige Kennzeichen Systemischer Therapie- und Beratungskonzepte sind ihre Orientierung an einem positiven Menschenbild sowie ihr Anknüpfen an Ressourcen und individuellen sowie sozialen Stärken, die es zu entwickeln gilt.

 

Im Hinblick auf die multiplen sozialen und gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen, die sich in den nächsten Jahren/Jahrzehnten durch die Explosion der soziokulturellen Vielfalt, wie wir sie heute in Deutschland erleben, stellen werden, erscheinen systemisch-lösungsorientierte Konzepte heute aktueller denn je.

Flüchtlinge und Einwanderer von heute werden einen erheblichen, auch tragenden Teil der Gesellschaft von morgen und übermorgen bilden [müssen!].

Unterstützen wir sie dabei!

Stellen wir der sozio-kulturellen Einfalt reaktionärer Kräfte die Vielfalt in unseren Köpfen gegenüber!

Systemische-lösungsorientierte Beratungskonzepte sind bestens dafür gerüstet, die erforderliche Mehrdimensionalität, Integrationsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu immer wieder neuem Umdenken bei BeraterInnen und TherapeutInnen zu fördern.

Besondere Schwerpunkte des Grundkurses Systemische Beratung und Therapie sind Weiterentwicklungen des Mailänder Ansatzes nach Boscolo & Cecchin sowie lösungsorientierte Methoden (Steve de Shazer, Insoo Kim Berg).

Die Integration Systemischer Beratungs- und Therapiekonzepte und bereits erlernter psychotherapeutischer Ansätze wird ebenso gefördert wie interdisziplinäre Zusammenarbeit.

 

Zielgruppe

Diplom-SozialarbeiterInnen, Diplom-PädagogInnen, Diplom-PsychologInnen, ÄrztInnen sowie in begründeten Ausnahmefällen auch Personen mit vergleichbaren Abschlüssen. Die TeilnehmerInnen sollten bereits über Berufserfahrung in psychosozialen Arbeitsfeldern verfügen und dazu in der Lage sein, persönliche Erfahrungen wie eigene Fallbeispiele in die Arbeit einzubringen.

 

Ansatz

Systemische Therapie ist ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren, das den Einzelnen in einem Beziehungsgefüge zu seiner Umwelt betrachtet und seine Methoden danach ausrichtet.

Veränderungen in einem Teilbereich (z.B. individuelle Veränderungen) bringen demnach Veränderungen im System, in dem ein Individuum lebt, mit sich. Diese wiederum wirken auf das Individuum (Rekursivität) zurück. Auch ein von einem Individuum erzeugtes "Symptom" lässt sich als Ausdruck von Beziehung und als Kommunikationsmittel innerhalb eines Systems beschreiben.

Diese Sichtweise beeinflusst das therapeutische Vorgehen in der Systemischen Therapie. "Symptome" und "Probleme" in einem Familiensystem werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Folge einer Verkettung von Umständen in einem sozialen Gefüge gesehen bzw. als Folge von Lösungsversuchen. Vorschnelle Pathologisierungen, die oft mehr zur Aufrechterhaltung als zur Lösung des Problems beitragen, werden hierdurch vermieden.

Paare, Familien, andere soziale Systeme oder Einzelpersonen, die eine Beratung oder Therapie aufsuchen, sehen meist das Verhalten einer Person als besonders problematisch an; in der Sprache der Familientherapie haben sie "einen Patienten identifiziert", den sogenannten Index-Patienten.

Diese "Diagnose" bewirkt, dass die Regeln und die Identität des sozialen Systems um die Person herum zunächst nicht in Frage gestellt werden müssen, obwohl dies angesichts sowohl des stetigen gesellschaftlich-sozialen Wandels als auch der immer neuen Aufgaben, die sich z.B. Familien allein wegen der Entwicklungen ihrer Mitglieder stellen, meist sinnvoll wäre.

Soziale Systeme wie auch Einzelpersonen tendieren manchmal in ihrem Bemühen Bestehendes zu erhalten dazu, sich festzufahren, sich notwendigen Veränderungen und Neuanpassungen zu widersetzen. Häufig investieren sie hierzu unangemessen viel Energie. Infolge dessen beinhalten therapeutische Aufträge häufig Doppelbotschaften: dem Wunsch nach Veränderung stehen die Angst davor und der Wunsch nach Erhaltung des Status quo gegenüber. Zur Auflösung dieses Dilemmas bedarf es entsprechender Methoden und Konzepte.

Systemische TherapeutInnen initiieren Veränderungsprozesse, sie helfen dem System, Veränderungs- und Erhaltungsmotivation sinnvoll auszubalancieren. Innerhalb von Familiengesprächen versuchen sie z.B. beobachtete und mitgeteilte Verhaltensweisen positiv zu konnotieren, d.h. in neue, konstruktive Zusammenhänge zu rücken. Dies dient der Entlastung aller und ermuntert Menschen zu neuen Sichtweisen. Hier spielt der Begriff der »Paradoxen Intervention« eine wesentliche Rolle, der vor allem durch das Team um Mara Selvini-Palazzoli bekannt geworden ist. Die Komplexität des Ansatzes wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Positive Konnotation einer einzelnen Person im System stets die Gefahr mit sich bringt, andere Familienmitglieder abzuwerten. Positive Konnotation richtet sich deshalb nach Boscolo, Cecchin, Hoffman und Penn (1988) "weniger an eine bestimmte Person als an das System als Ganzes, insbesondere an seine selbsterhaltenden Kräfte".

Systemische Therapie will den Fokus der Aufmerksamkeit von Personen oder sozialen Systemen über die problematischen Bereiche hinaus erweitern. Sie will erstarrte Denk-, Handlungs- und Beziehungsmuster wieder verflüssigen helfen (manchmal auch "verstören"). Ressourcen, die im Familiensystem brach liegen oder nicht wahrgenommen werden, sollen wieder entdeckt und aktiviert werden , um so den oder die Menschen in ihrem Prozess der konstruktiven Selbstorganisation zu begleiten und zu führen.

Theoretischer Hintergrund

Wesentliche historische Wurzeln der Systemischen Therapie liegen in den Denkansätzen von Gregory Bateson (vgl. z.B. "Ökologie des Geistes", Frankfurt 1988) und Paul Watzlawick ("Menschliche Kommunikation", Bern 1970). Bateson kam über interdisziplinäre Betrachtung kybernetischer Prozesse zu wissenschaftstheoretischen und anderen Überlegungen, die das systemische Denken in der heutigen Form wesentlich beeinflussen. Watzlawick beleuchtet aus den verschiedensten Aspekten heraus die Rückbezüglichkeit menschlicher Kommunikation.

 

Mailänder Modell:

Vertreter der "Mailänder Gruppe" wie Selvini-Palazzoli, Boscolo, Cecchin und Prata gaben wesentliche Impulse für die Weiterentwicklung der Systemischen Therapie.

 

Reflecting Team:

Tom Anderson führte das Konzept des "reflecting team" ein, welches ein komplexes systemisches Setting beschreibt.

 

Narrativer Ansatz:

Der "narrative Ansatz" berücksichtigt die Bedeutung der Sprache für die Wirklichkeitskonstruktion von Menschen und Systemen. Nach diesem Ansatz existieren soziale Systeme vor allem durch die Geschichten, die sich ihre Mitglieder gegenseitig und nach außen hin erzählen und die über sie erzählt werden. Namhafte Vertreter sind Goolishian, Anderson & White.

 

Lösungsorientierte Kurzzeittherapie

Im Feld der systemischen Ansätze gewann die "Lösungsorientierte Kurzzeittherapie" (begründet von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer in Milwaukee, USA) in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Es handelt sich um eine Methode, in der kaum über problematische Anteile psychischer und sozialer Wirklichkeiten und dafür um so mehr über verborgene Ressourcen gesprochen wird, die es zu entwickeln gilt. Hierdurch werden kurze effektive Einzel- und Paartherapien möglich.

Alle genannten Ansätze sind integrierte Bestandteile des hier beschriebenen Ausbildungsganges, auch in den Möglichkeiten ihrer Kombination untereinander.

 

Ziele der Weiterbildung "Systemische Beratung und Therapie"

Die TeilnehmerInnen lernen systemische Denk- und Handlungsmodelle kennen. Darüber hinaus soll eine positive, Veränderungen unterstützende Haltung KlientInnen gegenüber vermittelt und gefördert werden. Die Ausbildung ist praxisorientiert und soll den TeilnehmerInnen bei der Bewältigung von konkreten Problemen in ihrer beraterisch-therapeutischen Arbeit helfen. Im Grundkurs werden zudem Kenntnisse über Diagnostik psychischer bzw. psychosozialer Störungen sowie über Indikationen und Kontraindikationen verschiedener Beratungs- und Therapiemethoden vermittelt.

 

Gliederung und zeitliche Struktur

Das Angebot gliedert sich in drei wesentliche Bereiche:

  • 6 theoretische Fortbildungseinheiten à 20 Unterrichtseinheiten
    (insgesamt 120 Unterrichtseinheiten)
  • 3 Selbsterfahrungswochenenden à 20 Unterrichtseinheiten
    (insgesamt 60 Unterrichtseinheiten)
  • Regelmäßige Reflexion des Gelernten sowie Literaturarbeit in Kleingruppen von 3-5 Personen
    (ca. 60 Unterrichtseinheiten)

 

Theorie

Jeweils 2-tägige Seminare, die vorrangig der Wissensvermittlung in den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten systemischen Denkens und Handelns sowie der Darstellung anderer familientherapeutischer Schulen dienen. Hinzu kommt die Vermittlung diagnostischer Kenntnisse. Die Vermittlung soll so praxisorientiert wie möglich geschehen und durch Lektüre entsprechender Fachbücher vorbereitet und ergänzt werden. Ein Teil der Vor- und Nachbereitung erfolgt in Arbeitsgruppen.

 

Selbsterfahrung

Die Selbsterfahrungseinheiten dienen der Anwendung des erworbenen Wissens über familiäre Strukturen und systemisches Handeln auf die eigene Person bzw. eigene soziale Kontexte.

Während die theoretischen Fortbildungseinheiten in der fortbildung1.de zentral und ohne Übernachtung stattfinden, sind die Selbsterfahrungseinheiten außerhalb von Stuttgart als geschlossene Wochenendseminare konzipiert.

 

Zulassungsvoraussestzungen

Voraussetzung zur Teilnahme an der Ausbildung sind in der Regel ein (Fach-) Hochschulabschluss aus dem Bereich psychosozialen Handelns und eine entsprechende berufliche Tätigkeit. Sofern entsprechende Gründe, z.B. mehrjährige berufliche Erfahrungen mit Beratung und Therapie vorliegen, können in Einzelfällen auch Personen mit anderen Ausbildungsabschlüssen zur Teilnahme zugelassen werden. Die Entscheidung hierzu wird in einem individuellen Vorgespräch mit einem/einer Ausbildungsleiter/in getroffen.

 

Sind die Teilnahmevoraussetzungen gegeben, erfolgt die Zulassung zu den Kursen nach Reihenfolge des Eingangs der Anmeldung. Eine zusätzliche individuelle Auswahl nach persönlicher Eignung betreiben wir aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht. Da systemische Therapie die Förderung von Ressourcen sozialer Systeme und auch von Individuen anstrebt, würde diese den Prinzipien systemischen Denkens und Handelns widersprechen.

 

Eine mehr oder weniger dogmatische Beschränkung auf eine "Schule" erscheint uns im Kontext systemischen Denkens wenig passend – zumal sehr viele Ansätze existieren. Als charakteristisch für unsere "Stuttgarter Schule" sollte gelten, dass wir uns der Versuchung, eine solche zu gründen, immer wieder neu und gemeinsam zu entziehen versuchen.

 

Uns erscheint es wesentlich, in unseren Fort- und Ausbildungen neben den Lernzielen sowohl die interdisziplinäre Zusammenarbeit als auch die sinnvolle Integration verschiedener systemisch-familientherapeutischer und anderer Ansätze zu fördern. Insofern weisen unsere Programme keinen ideologisch-berufspolitischen Zuschnitt auf.

 

Abschlussvoraussetzungen

Kontinuierliche Teilname an den einzelnen Kursbausteinen (i.d.R. Nachweis von mindestens 80% Anwesenheit).

DozentInnen

Michaela Klein-Schneider
Michaela Klein-SchneiderDipl.-Psychologin

Prof. Prof. h.c. Dr. Michael Märtens
Prof. Prof. h.c. Dr. Michael MärtensDipl.-Psychologe

Fritjof Schneider
Fritjof SchneiderDipl.-Psychologe

Kostenlose Infoveranstaltung

Fr., 29.09.2017 um 18:30 Uhr

Bitte melden Sie sich unter 
0711/6781-421 oder info@fortbildung1.de an.

Kosten

3.100,- Euro

Beginn

Fr., 26.01. - Sa. 27.01.2018

Den Terminplan für diesen Kurs können Sie im Downloadbereich abrufen.

Koordination

Fritjof Schneider,
Dipl.-Psychologe

Fortbildungspunkte

216

Seminarzeiten

Theorieseminare:
09:00 - 18:30 Uhr 

Selbsterfahrungsseminare:
Beginn am ersten Tag um 15:00 Uhr,
Ende am dritten Tag um 13:00 Uhr 

Dauer

1 Jahr 

Unterrichtseinheiten

240

Mindestteilnehmerzahl

10 Personen

Veranstaltungsort

fortbildung1.de bzw. Tagungshaus (Selbsterfahrungsseminare)