„Zwischen den Fronten: Wenn Kinder Botschaften tragen, die sie innerlich zerreißen.“

„Zwischen den Fronten:  Wenn Kinder Botschaften tragen, die sie innerlich zerreißen.“

Ein Artikel von unserem Kollegen Florian Rieger, Leiter von beratung1 - der Paar- und Familienberatung im Psychotherapeutischen Zentrum e.V.

In hochstrittigen Trennungssituationen geraten Kinder oft in Loyalitätskonflikte. Sie versuchen, inneren Druck zu reduzieren, indem sie sich – bewusst oder unbewusst – auf eine Seite schlagen.

Eine häufige Dynamik dabei ist die sogenannte Umgangsverweigerung: Das Kind lehnt den Kontakt zu einem Elternteil ab, weil es emotional in den elterlichen Konflikt hineingezogen wurde.

Ein zentraler Schutzfaktor liegt darin, dass Eltern ihre Konflikte nicht über die Kinder austragen. Je weniger konflikthaft der Kontakt zwischen den Eltern ist, desto geringer wird die innere Zerreißprobe für das Kind. Doch genau hier entsteht im Alltag eine heikle Situation: Kinder kommen mit Sätzen nach Hause wie

„Papa hat gesagt, du interessierst dich gar nicht für mich.“

Oder: „Mama meint, bei dir wäre es viel gefährlicher.“

Für den angesprochenen Elternteil ist das ein innerer Spagat. Da steht etwas im Raum, das weh tut, vielleicht sogar stimmt – und zugleich droht jede Abwertung des Ex-Partners, das Kind noch tiefer in den Loyalitätskonflikt zu treiben. Wahrheit sagen oder schützen? Klarstellen oder beschwichtigen?

Hilfreich ist eine Haltung, die drei Dinge verbindet: Anerkennen, Einordnen, Entlasten.

  • Anerkennen heißt: Die Aussage des Kindes ernst nehmen.
    „Das klingt für dich bestimmt verwirrend oder traurig.“
  • Einordnen heißt: Dem Gesagten einen Rahmen geben, ohne zu verunglimpfen.
    „Manchmal sagen Erwachsene Dinge, wenn sie selbst sehr verletzt sind. Das hat oft mehr mit ihren Gefühlen zu tun als mit dir.“
  • Entlasten heißt: Das Kind aus der Verantwortung nehmen.
    „Du musst das nicht lösen und auch nicht entscheiden, wer recht hat. Du darfst beide liebhaben.“

So wird die Botschaft nicht geleugnet, aber auch nicht zum Beweis gegen den anderen Elternteil gemacht. Das Kind bleibt Kind. Es wird nicht zum Richter, Vermittler oder Verbündeten ernannt.

In solchen Momenten geht es weniger darum, die „Wahrheit“ zu gewinnen, als darum, die innere Sicherheit des Kindes zu bewahren. Jede Antwort, die das Kind aus der Frontlinie zurückholt, ist ein kleiner Schritt heraus aus dem Loyalitätskonflikt – und hinein in die Freiheit, beide Eltern behalten zu dürfen.

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