„Ich fühle mich in die Ecke gestellt.“

2026 09 Mann In Beleuchteter Ecke

Was passiert, wenn man diesen Satz wörtlich nimmt? In der Konzentrativen Bewegungstherapie (KBT®) wird aus einer Redewendung eine körperliche Erfahrung und daraus kann etwas sichtbar werden, das im Gespräch verborgen bleibt.

  • Wie ist es tatsächlich, in einer Ecke zu stehen?
  • Was daran fühlt sich unangenehm an?
  • Gibt es vielleicht auch etwas, das Sicherheit gibt?
  • Wie leicht oder schwer fällt es, die Ecke wieder zu verlassen?
  • Und was verändert sich, wenn wir einen Schritt zur Seite machen?

Plötzlich wird aus einem vertrauten Satz eine konkrete Erfahrung.

Und genau darin liegt ein wesentlicher Zugang der KBT®: Nicht alles, was wir über uns wissen, ist uns auch unmittelbar zugänglich. Manches lässt sich erst erfahren, bevor es sich vollständig in Worte fassen lässt.

Wenn Verstehen allein nicht weiterhilft

Vielleicht kennen Sie solche Situationen aus der therapeutischen oder beratenden Praxis: Ein Mensch versteht sehr genau, warum er in einer bestimmten Situation immer wieder auf dieselbe Weise reagiert. Er kann Zusammenhänge benennen, eigene Muster erkennen und sogar mögliche Veränderungen formulieren.

Und trotzdem bleibt etwas unverändert.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass noch mehr Erklärung fehlt. Vielleicht braucht es einen anderen Zugang.

Psychisches Erleben findet nicht ausschließlich auf der Ebene von Gedanken und Sprache statt. Unser Körper ist immer beteiligt: Wir nehmen Raum ein, bewegen uns auf etwas zu oder von etwas weg, spannen uns an, ziehen uns zurück, halten inne oder gehen in Kontakt.

Die Konzentrative Bewegungstherapie macht diese körperliche Dimension des Erlebens zum Ausgangspunkt therapeutischer Arbeit.

Konzentrative Bewegungstherapie: Vom Verstehen zum Erleben

Die KBT® ist eine tiefenpsychologisch fundierte Körperpsychotherapie. Sie verbindet die konzentrierte Wahrnehmung von Körper und Bewegung mit der anschließenden Reflexion und Versprachlichung des Erlebten.

Dabei geht es nicht darum, Bewegung einfach als zusätzliche Methode in eine Psychotherapie einzubauen.

Vielmehr wird Wahrnehmung selbst zum therapeutischen Zugang.

Eine Bewegung wird ausprobiert, verändert und aufmerksam wahrgenommen. Was geschieht dabei? Welche Empfindungen entstehen? Welche Gedanken oder Gefühle tauchen auf? Was verändert sich, wenn eine Bewegung anders ausgeführt wird?

Das unmittelbar Erlebte wird anschließend gemeinsam betrachtet und mit der persönlichen Lebenssituation in Verbindung gebracht.

So können Zusammenhänge zwischen körperlichem Erleben, Denken, Fühlen und Handeln sichtbar werden.

Aus „Ich kann das nicht“ kann beispielsweise die Frage werden: Was genau kann ich nicht – und was passiert, wenn ich es trotzdem ausprobiere?

Aus „Ich fühle mich in die Ecke gestellt“ wird die konkrete Erfahrung: Wie ist es, dort zu stehen? Und wie komme ich wieder heraus?

Der Körper wird dabei nicht zum Objekt, das „behandelt“ werden soll. Er wird zum Medium des Erlebens und Erkennens.

Warum Bewegung?

Bei Bewegung denken viele zunächst an Sport, Fitness oder körperliche Leistungsfähigkeit. Darum geht es in der KBT® nicht.

Es geht nicht darum, eine Bewegung besonders gut, schnell oder kraftvoll auszuführen. Entscheidend ist vielmehr, wie wir uns in einer Bewegung erleben.

Zum Beispiel:

  • Wie stehe ich?

  • Wie bewege ich mich?

  • Wie erlebe ich den Raum um mich herum?

  • Was verändert sich, wenn ich meine Position verändere?

  • Was geschieht im Kontakt mit einem Gegenstand oder einer anderen Person?

  • Was fühlt sich vertraut an, was ungewohnt?

  • Wo erlebe ich Enge, wo Weite?

  • Welche Handlungsmöglichkeiten werden sichtbar?

Eine Bewegung kann sich befreiend oder beengend, vertraut oder fremd, angenehm oder unangenehm anfühlen. Gerade diese mit der Bewegung verbundenen Erlebensqualitäten sind für die KBT von Bedeutung.

„Probieren Sie!“

Ein wichtiger Unterschied zu einem ausschließlich verbalen Zugang liegt darin, dass in der KBT® nicht nur über eine mögliche Handlung gesprochen wird. Sie kann konkret ausprobiert und unmittelbar erlebt werden.

Nehmen wir an, jemand sagt: „Das geht nicht.“

Anstatt nur darüber zu sprechen, kann die Einladung lauten: „Probieren Sie.“

Was genau geht nicht? Was passiert, wenn wir die Bewegung verändern? Braucht es einen anderen Weg? Eine andere Position? Einen kleinen Schritt?

Manchmal zeigt sich dabei etwas Überraschendes: Eine Möglichkeit, die vorher ausgeschlossen schien, wird plötzlich konkret.

Diese Erfahrung kann anschließend mit dem Alltag verbunden werden. Vielleicht gibt es auch dort Situationen, in denen bestimmte Möglichkeiten gar nicht erst in Betracht gezogen werden, weil eine innere Annahme bereits festlegt, was möglich ist und was nicht.

Das körperliche Ausprobieren kann einen Erfahrungsraum schaffen, in dem neue Handlungsmöglichkeiten entstehen.

 

Häufig gestellt Fragen zur Konzentrativen Bewegungstherapie

Was ist Konzentrative Bewegungstherapie?

Die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT®) ist ein körperorientiertes psychotherapeutisches Verfahren, bei dem Wahrnehmung, Bewegung und psychisches Erleben miteinander verbunden werden.

Im Mittelpunkt steht die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Bewegung. Das Erlebte wird anschließend reflektiert und versprachlicht.

Die KBT® unterscheidet sich damit sowohl von Sport und klassischer Bewegungstherapie als auch von einer rein verbalen Psychotherapie. Bewegung dient nicht der Leistungssteigerung und ist auch kein Selbstzweck. Sie eröffnet einen Zugang zu Erfahrungen, die über das unmittelbare körperliche Erleben erfahrbar und anschließend sprachlich bearbeitet werden können.

Ist KBT® Psychotherapie?

KBT® ist Psychotherapie, Körperpsychotherapie. Im Tun erlernen und erweitern wir unser Erleben von Selbstwirksamkeit und Kraft. Wir erarbeiten uns Wirkungsfelder und -möglichkeiten. Der ganzheitliche Ansatz, bei dem das körperliche Erleben gleichermaßen angeschaut wird und in der Bewegung auch überprüft wird, wie das psychische unterscheidet die KBT® von verbalen Psychotherapiemethoden.

Was unterscheidet KBT® von Sport und Bewegungstherapie?

Im Unterschied zum Sport und zur physiologisch orientierten Bewegungstherapie wird in der KBT® der Augenmerk nicht auf Erhöhung oder Rückgewinnung von Leistung gelegt, z.B. durch mehr Schnelligkeit, weitere Sprünge, Erhöhung der körperlichen Kraft, sondern darauf eine Bewegung in ihrem Ablauf zu erkunden, zu variieren, zu erspüren, wie es ist sich selbst mit und in dieser Bewegung zu erleben. Wie oder ob sich eine Bewegung in der Hand noch an anderer Stelle im Körper bemerkbar macht? Und welche Empfindung tritt dabei ein? Wieso fühlt sich diese Bewegung gut oder unangenehm an? Ganz wichtig sind also die mit dem Bewegen verknüpften Erlebensqualitäten, die sein können Enge, Befreiendes, Bedrohliches, Lustvolles oder ganz andere. Ein Beispiel: es ist – oft entgegen aller Annahmen – möglich, mit der Hand über den Kopf die entgegengesetzte Schulter zu erreichen. Wie kann ich das tun? Welche zusätzlichen Bewegungen muss ich machen? 

Im Gegensatz zur verbalen Psychotherapie tun wir etwas und probieren, wie das gehen kann. Beim Reflektieren über das Tun suchen wir nach parallelen Erfahrungen im Alltag; so führen unsere Annahmen vielleicht auch in komplett anderen Situationen dazu, dass bestimmte Möglichkeiten grundsätzlich und im vornherein ausgeschlossen werden. „Probieren Sie!“ Diesen Satz bekommen Sie in der KBT® oft zu hören.

In einem umgekehrten Beispiel nehmen wir beispielsweise den Satz „ich fühle mich in die Ecke gestellt“ und probieren aus, wie es ist tatsächlich in der Ecke zu stehen. Was daran ist unangenehm, könnte es auch einen Vorteil haben? Wie komme ich aus der Ecke raus, und wie kann ich meine körperlich ausgeführten Schritte in ein Tun übersetzen, das meine Alltagssituation ändert?

Ist KBT® Körperpsychotherapie?

Ja. Die Konzentrative Bewegungstherapie wird als Körperpsychotherapie verstanden und verbindet körperliches Erleben mit psychotherapeutischer Reflexion.

Dabei geht es nicht darum, psychische Probleme allein über den Körper zu erklären. Vielmehr werden körperliche Wahrnehmungen als eine zusätzliche Ebene des psychischen Erlebens einbezogen.

Gerade diese Verbindung kann hilfreich sein, wenn Menschen zwar viel über ihre Situation wissen, aber Schwierigkeiten haben, Veränderungen auch tatsächlich zu erleben und umzusetzen.

Im Tun können beispielsweise Selbstwirksamkeit, Grenzen, Nähe und Distanz, Kontakt oder eigene Handlungsmöglichkeiten unmittelbar erfahrbar werden.

Wie fühlt sich KBT® eigentlich an?

Eine Besonderheit der Konzentrative Bewegungstherapie ist, dass sie nicht nur theoretisch vermittelt werden kann. Man muss sie auch selbst erfahren.

Wahrnehmen. Ausprobieren. Verändern. Reflektieren.

Was zunächst wie eine ganz einfache Bewegung erscheint, kann plötzlich eine überraschende persönliche Bedeutung bekommen. Und manchmal entsteht gerade aus dieser Erfahrung eine Frage, die im reinen Gespräch gar nicht aufgetaucht wäre.

Deshalb spielt die Selbsterfahrung auch beim Kennenlernen der Methode eine wichtige Rolle.

Für wen ist KBT® interessant?

Die Konzentrative Bewegungstherapie kann insbesondere für Fachkräfte interessant sein, die Menschen therapeutisch, beratend, pädagogisch oder lehrend begleiten und ihr Verständnis für körperorientierte Zugänge erweitern möchten.

Sie bietet eine Möglichkeit, Körperwahrnehmung, Bewegung und psychisches Erleben miteinander zu verbinden und dadurch neue Perspektiven auf persönliche Erfahrungen und Handlungsmuster zu eröffnen.

Wer die Methode kennenlernen möchte, kann dies im Einführungskurs in die Konzentrative Bewegungstherapie KBT® von fortbildung1 tun.

KBT® selbst erfahren

Der Einführungskurs in die Konzentrative Bewegungstherapie KBT® verbindet theoretische Grundlagen mit praktischer Erfahrung und Selbsterfahrung. Die Teilnehmenden lernen die Arbeitsweise der KBT kennen, erleben zentrale Elemente selbst und reflektieren deren Bedeutung für die eigene berufliche Praxis.

Denn vielleicht lässt sich die eingangs gestellte Frage am besten beantworten, indem man es selbst ausprobiert:

Was passiert, wenn wir einen Satz nicht nur verstehen, sondern ihn körperlich erfahren?

Genau dort beginnt ein anderer Zugang zu psychischem Erleben.